- Von der Gründung bis zum 1. Weltkrieg (1881 - 1918)
- Zwischen den Weltkriegen (1919 - 1936)
- Von der Wiedergründung bis zum Jubiläumsjahr (1952 - 1981)
- Ein Höhepunkt im Vereinsleben war das Jubiläumsjahr 1981
Von der Gründung bis zum 1. Weltkrieg (1881 - 1918)
Im Frühjahr des Jahres 1881 trafen sich einige junge
Männer zu einer Besprechung über die Gründung
eines Turnvereins in Haagen, was unter den damaligen Verhältnissen
trotz der Begeisterung keine leichte Aufgabe war. Die Erkenntnisse
über Sinn und Zweck wogen schwerer als die Bedenken und
der Verein wurde gegründet. Ab Juli 1881 wurden Mitgliedsbeiträge
entrichtet und der Turnbetrieb aufgenommen. Durch die guten
Beziehungen zum Turnverein Lörrach war es den jungen
Turnern möglich, an dessen Übungsstunden teilzunehmen,
um die nötige Vorbildung zu erhalten. In Selbsthilfe
wurden mit frischem Mut ein notdürftiger Barren und ein
Reck hergestellt. Der Anfang war gemacht. Die ersten Turnratsmitglieder
waren:
Carl Hofmann, 1. Vorstand; Theodor Huber, Turnwart; Friedrich
Sturm, Schriftwart; Emil Drexlin, Rechner; Friedrich Brombacher,
Zeugwart; Ernst Resch, Vorturner; Emil Keller, Vorturner.
Der Vorstand Carl Hofmann nahm als Vertreter des Turnvereins
Haagen am 26. Februar 1882 in Basel an der Gründungsversammlung
des „Markgräfler Turngaues“ teil. Dieser
nun ins Leben gerufene MARKGRÄFLER TURNGAU bestand aus
den Vereinen: Haagen, Lörrach, Säckingen, Schopfheim
und Zell und war der 12. Turngau im 10. Deutschen Turnkreis.
Am 9. März 1884 betrug der Mitgliederstand 16 Aktive
und 20 Passive. Haagen zählte ca. 1200 Einwohner. geturnt
wurde an 80 Abenden mit durchschnittlich 17 Turnern.
Eine besondere Ehre wurde dem Verein im Jahre 1885 zuteil.
In feierlicher Weise wurde den Turnern am 7. Oktober 1885
die von den Frauen und Jungfrauen gestiftete Vereinsfahne
übergeben. Die Turner gelobten dieser Fahne die Treue
zu halten und weiterhin die edle Turnerei zu pflegen.
Am 4. Februar 1888 betrug der Mitgliederstand 48 (4 Zöglinge,
20 Aktive, 24 Passive).
Um 1900 wurde auf dem Turnplatz geturnt, zunächst nur
in den Sommermonaten bis hin zum Oktober. Mit dem „Ab-
oder Schlussturnen“ wurde dann Abschied genommen vom
Turnplatz. Während der Wintermonate wurden in einem Gasthaussaal
die Übungen fortgesetzt bis der Frühling wieder
seinen Einzug hielt. Mit dem „Anturnen“ wurde
die neue Saison feierlich eröffnet.
Das Schlussturnen wurde meistens verbunden mit einer festlich
feierlichen Vereinsversammlung, bei der die zum zweijährigen
Wehrdienst einrückenden Rekruten verabschiedet oder die
zurückgekehrten Rekruten wieder in den Verein aufgenommen
wurden.
Für die internen Fest- und Feierlichkeiten gründete
der Verein eine eigene Vereinsmusik. Gekauft wurde eine Bassgeige
und eine Ziehharmonika mit Holzkasten für 77,36 Mark
1904 trat der Verein in Stärke von 20 Mann dem hiesigen
Feuerwehrkorps bei und erhielt eine eigene Abteilung für
Turner.
Unter Mitwirkung von Gesangverein und Musikverein wurde am
28. April 1906 im Saal des Gasthauses „Schlossberg“
das 25-jährige Stiftungsfest gefeiert (64 Mitglieder
= 39 Aktive, 26 Passive). Geturnt wurde in dieser Zeit im
Saal des Vereinslokals zum „Schlossberg“ und zeitweilig
im Schulkeller.
Im Dezember 1909 wurde eine Kommission gebildet „wegen
dem Bau einer Turnhalle“. Zum Vorsitzenden wurde Wilhelm
Schöpflin (Gründer des heutigen Großversandhauses
Schöpflin Haagen) ernannt. Ein Turnhallenbau-Fond wurde
gegründet; als Grundstock sollte das verfügbare
Vereinsvermögen herangezogen werden. Die aktiven Mitglieder
verpflichteten sich, als ersten Beitrag einen ihren Verhältnissen
entsprechenden Betrag innerhalb eines Monats zu leisten.
Im Sommer 1911 wurde das Faustballspiel eingeführt.
In der Bürgerausschuss-Sitzung vom 9. Februar 1912 wurde
nach lebhafter Debatte von der Gemeinde beschlossen die Turnhalle
zu bauen.
Vom Turnverein wurden die für die Turnhalle notwendigen
Geräte, nämlich eine dreifache Hülsenreckeinrichtung,
drei Reckstangen, ein eiserner tragbarer „Blizzard-Barren“,
ein Pferd, ein Sprungständer sowie eine Hochweitsprunganlage
und zwei Kokosmatten für den horrenden Betrag von 858,-
Mark gekauft.
Im selben Jahr kam als weitere Sportart Fußball ins
Vereinsangebot.
Die längst ersehnte Turnhalle konnte am 4. Mai 1913
feierlich eingeweiht und der Bevölkerung übergeben
werden.
Die stetige Aufwärtsentwicklung des Vereins wurde durch
die Schüsse von Sarajewo 1914 und den darauf folgenden
Weltkrieg jäh unterbrochen. Das Vaterland rief und das
Deutsche Volk trat seinen Opfergang an. 22 Mitglieder wurden
eingezogen, unsere Reihen wurden gelichtet und das Turnen
ruhte bis zum Jahre 1919.
Die Turnhalle wurde als Lazarett belegt. Ihr Zustand bei Kriegsende
ließ einen Turnbetrieb nicht zu. Zerbrochene Fenster,
offene Türen usw. boten Tag und Nacht jedem Einlass.
Durch Diebstahl wurde das Vereinsinventar beträchtlich
verkleinert; ganz besonders Möbel und Kleingeräte
hatten unter der Unehrlichkeit der Menschen zu leiden.
Zwischen den Weltkriegen (1919 –
1936)
Am 18. Januar 1919 fand im Gasthaus „KRONE“ auf
Anregung alter Turner wieder die erste Vereinsversammlung
nach dem Kriege statt.
Die damals in Deutschland herrschenden wirren politischen
Verhältnisse wirkten sich auch auf das Vereinsleben aus.
Wenige Tage nach dieser Versammlung wurde zum Erstaunen der
Einwohner bekannt, dass in Haagen eine „Freie Turnerschaft“
(Arbeiter-Turnverein) erstehen soll. Ein großer Teil
unserer Mitglieder schwenkte über zur „Freien Turnerschaft“.
Der gesamte Turnrat und mit ihm 6 Turner blieben der „DEUTSCHEN
TURNERSCHAFT“ treu. Die Gründung der „Freien
Turnerschaft“ lähmte unser Vereinsleben, Turnbetrieb
und Teilnahme an Gauveranstaltungen unterblieb.
Im September wurde ein neuer Versuch zur Wiederaufnahme des
Turn- und Vereinslebens gemacht, nachdem das zunächst
auflodernde Strohfeuer der „Freien Turnerschaft“
nachließ. Die alte Tradition erwies sich stärker
als die neuen Ideen und zum Jahresende zählte der Verein
wieder 23 Aktiv- und 8 Passivmitglieder. Die Turnstunden wurden
durchschnittlich von 15 Turnern besucht.
Von der Spinnerei Haagen wurde das Gelände 1920 unterhalb
vom Bahnhof für jährlich 200,-Mark gepachtet und
auf diesem Platz wieder das Fußballspiel sowie Lauf-,
Sprung- und Wurfübungen aufgenommen.
Für elf gefallene Turnkameraden wurde am 31. Oktober
1920 der bei der Turnhalle erstellte Gedenkstein enthüllt.
Der Gedenkstein wurde 1969 im Rahmen der Neuanlage der Gefallenen-Ehrenstätte
auf dem Friedhof entfernt.
Einige der jungen Turner versuchten 1921 sich im Boxsport.
Nach einigen gut besuchten Boxabenden ließ das Interesse
wieder nach.
Das 40-jährige Vereinsjubiläum wurde mit einer festlichen
Aufführung im Gasthaus „Röttlerweiler“
gefeiert.
1922 hat der Verein wieder die Mitgliederzahl von 1909 und
1914 erreicht: 39 aktive und 38 passive Mitglieder. Im Mai
1922 wurde erstmals eine Schüler-Riege ins Leben gerufen.
Als Schülerturnwart stellte sich Heinrich Huber zur Verfügung.
Bereits im September beteiligte sich die neue Schülerriege
am ersten Schülerturnfest des Markgräfler Turngaues.
In der Vereinsversammlung am 22. Februar 1924 stellte sich
der Lehrer Eugen Kopp dem Verein zur Verfügung und übernahm
die Schülerriege. Mit Eugen Kopp nahm das Schülerturnen
und später der ganze Turnbetrieb einen enormen Aufschwung.
Innerhalb kurzer Zeit verdreifachte sich die Zahl der turnbegeisterten
Schüler. Mitgliederstand Ende 1924: 38 Aktive, 75 Passive,
46 Schüler = 159 Mitglieder. Die Mitgliedsbeiträge
werden auf 50 Pfennig monatlich erhöht. (Zum Vergleich:
ein Textilarbeiter erhielt damals einen Stundenlohn von 40
Pfennig). Dieser Beitragssalz wurde bis zum Jahre 1965 beibehalten.
Durch die Aufwärtsentwicklung wurde auch das Interesse
am Handballspiel wachgerufen. Als einziger Landverein beteiligte
sich der TV Haagen 1926 in der Spielrunde des Markgräfler
Turngaues. Gespielt wurde auf dem gepachteten Wiesengelände
beim Bahnhof. Gegen Jahresende waren bereits zwei Mannschaften
aktiv tätig. In der ersten Spielrunde erreichte unsere
1. Mannschaft den fünften Tabellenplatz.
Auch im Faustball der A-Klasse wurde ein sehr guter dritter
Platz erkämpft.
Erstmals beteiligte sich der Verein 1929 an den Schwimmwettkämpfen
des Markgräfler Turngaues in Klein-Laufenburg. Während
der Zeit der großen Arbeitslosigkeit zeigte sich im
Verein treuer Turnergeist: drei Passivmitglieder übernahmen
zusätzlich den Beitrag für arbeitslose Aktivmitglieder.
Infolge der herrschenden großen Arbeitslosigkeit wurden
1931 die Fest- und Feierlichkeiten des 50-jährigen Bestehens
auf das Jahr 1932 verschoben, in der Hoffnung, dass bis dahin
bessere Voraussetzungen zur Abhaltung eines Festes gegeben
wären.
Das 50-jährige Vereinsjubiläum wurde am Samstag,
4. Juni 1932, mit einem Festbankett, verbunden mit Fahnenweihe,
feierlich begangen. Unter Mitwirkung des Gesangvereins „Eintracht
Rötteln“ und der Feuerwehrmusik lief ein Programm
ab, das alle begeisterte.
Schüler, Schülerinnen und Turner umrahmten die Veranstaltung
mit einer Reihe ausgesuchter turnerischer Darbietungen, Reigen
und Freiübungen. Daran schloss sich der Festakt der Fahnenweihe
und die Überreichung des Ehrenbriefes der Deutschen Turnerschaft
an den Turnverein Haagen an.
Nach einem sinnreichen Prolog übergab der Vorstand Scheurer
des Patenvereins Hauingen, mit der Aufforderung zur Treue,
die neue Fahne in die Hände des Vorstands Kaiser, der
sie als Sinnbild unwandelbarer Treue in Empfang nahm und entrollte.
Während sich die Banner der Nachbarvereine senkten, weihte
Ehrenpräsiden Kammerknecht die neue Fahne dem Geiste
Friedrich Ludwig Jahns und wünschte auf allen ihren Wegen
Glück und Segen.
Die neue Fahne fertigte der Turner Eugen Hottinger aus Hauingen
in Hochstickerei.
Der Sonntag, 5. Juni, war den Wettkämpfen der Turner
des Markgräfler Turngaues sowie den Sondervorführungen
der Turnerinnen des Turnerbundes Lörrach und anderer
Vereine vorbehalten.
Ein weiterer Höhepunkt bildete der Festzug durch die
geschmückten Straßen. Mit der Siegerehrung, einem
Konzert der Feuerwehrmusik und anschließendem Tanzvergnügen
klang dieses Jubiläum aus.
1933 war das Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialistische
deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und des beginnenden Umbruchs
des eigenständigen Vereinslebens in allen Bereichen.
Die Vereine verloren Zug um Zug ihre Selbstständigkeit.
Im Zuge der Gleichschaltung der Vereinsverwaltung trat der
Gesamtvorstand am 27. Mai 1933 zurück, an seine Stelle
trat der Vereins-Führer.
Erteilung von Richtlinien für das „Pflichtturnjahr“:
Für Turner, die der SA (Sturm-Abteilung) oder SS (Schutz-Staffel)
angehörten, genügte ein wöchentlich einmaliger
Besuch der Turnstunde, dreimaliges Fehlen bedeutete Ausschluss,
ein Wiedereintritt war unmöglich. Alle vier Wochen fand
ein Ausmarsch über 15 km statt.
Der Turnergruß „Gut Heil“ musste dem Staatsgruß
„Heil Hit1er!“ weichen.
1934 wurde die Turnerjugend der HJ eingegliedert. Der Turnverein
lebte praktisch nur noch ein Schattendasein neben den Organisationen
der NSDAP, HJ, BDM usw.
Ab 1936 erfolgten keinerlei Eintragungen mehr im Protokollbuch
des Vereins bis zur Wiedergründung im Jahre 1952.
Von der Wiedergründung bis zum Jubiläumsjahr (1952
– 1981)
Seit dem Jahre 1944 ruhte in unserem Verein die turnerische
Arbeit, die ein mörderischer Krieg und seine Nachwehen
völlig lahmgelegt hatte. Erst im Jahre 1948 erlaubte
es die Besatzungsbehörde wieder, in allen Landen den
offiziellen Turnbetrieb aufzunehmen.
Dreizehn ehemalige Turner und bekannte Turnpioniere fanden
sich dann im März 1952 in der „Linde“ zusammen,
um den TURNVEREIN HAAGEN 1881 zu neuem Leben zu erwecken,
bzw. weiterzuführen.
Die Vorgespräche wurden von den Turnpionieren Karl Kammerknecht
(Ehrenvorsitzender des ehemaligen TV Haagen und des Markgräfler
Turngaues), Max Lang, Steinen (Gauvertreter), Karl Mäcke,
Arthur Allgeier, Heinrich Huber und Franz Zibret geführt.
Am 12. April 1952 fand dann die erste Nachkriegs-Hauptversammlung
statt.
Die Wichtigkeit dieser Wiedergründungs- oder Weiterführungs-Hauptversammlung
eines der ältesten Vereine des Markgräfler Turngaues
zeigte sich in der Teilnahme des damaligen Geschäftsführers
des Badischen Turnbundes Fritz Klipfel, Freiburg, des Kassiers
Strübe, Steinen und des Vorsitzenden Max Lang vom Markgräfler
Turngau.
Aus dem vom Ehrenvorsitzenden Kammerknecht gegebenen Situationsbericht
war zu entnehmen, dass der Verein vor dem Nichts steht und
neu aufgebaut werden muss. Die Vorsitzenden vom Badischen
Turnerbund und Markgräfler Turngau sowie Bürgermeister
Ernst Heitz sagten dem Verein volle Unterstützung zu,
aus den Anfangsschwierigkeiten herauszukommen.
Die in der Zusammenkunft im März ernannten Vorstandsmitglieder
als Wegbereiter wurden von der Hauptversammlung gewählt:
1. Vorstand Allgeier, Arthur
2. Vorstand Seilnacht, Hermann
Kassier Kaiser, Willi
Schriftwart Mutter, Willi
Männerturnwart Zibret, Franz
Schülerturnwart Maier, Fritz
Fritz Klipfel gab seiner Freude über die Wiedergründung
des TV Haagen und besonders über die Einmütigkeit
der verantwortlichen Männer Ausdruck. Als richtungsweisende
Anregung gab er dem jungen Verein mit auf den Weg: „Die
Turnwarte sollen aus der ihnen anvertrauten Jugend keine von
krankhaftem Ehrgeiz besessenen Sportler formen, sondern durch
Anerkennung des Besseren und Stärkeren, von turnerischem
Geist getragene Menschen bilden.“
Mit einem beispielhaften Interesse und unermüdlicher
Energie wurde am 25. April 1952 mit dem Turnen begonnen. Als
erstes Ziel galt die Teilnahme am Gauturntest in Waldshut.
Der spontane Einsatz lohnte sich und zeigte seine Früchte,
denn am 2. und 3. August gelang es unserer neuen und jungen
Riege in Waldshut mit neun Turnern beim Vereinsturnen den
1. Platz zu belegen.
Damit hatte der TV Haagen wieder den Anschluss an alte Traditionen
gewonnen und seinen angestammten Platz im Kreis der Vereine
des Markgräfler Turngaues eingenommen.
Nach diesem gut gelungenen Start zählte der Verein Ende
1952 bereits wieder 21 aktive Mitglieder, 17 Zöglinge,
11 Ehrenmitglieder und 69 Schüler.
Im August 1953 begannen die Turner mit Genehmigung der Gemeinde
mit der Neuerstellung des Turnplatzes bei der Turnhalle, der
während des Krieges und der Nachkriegszeit als Gartenland
genutzt wurde. Mit Begeisterung machten sich die Turner an
die Arbeit. In freiwilligen Arbeitsgruppen entspann sich ein
Wettbewerb, es wurde täglich unermüdlich gearbeitet.
Insgesamt wurden 1764 freiwillige Arbeitsstunden geleistet,
und am 18. Oktober 1953 konnte der Platz mit einer Laufbahn,
180 m lang und 2,50 m breit, mit Weitsprunggrube, Hochsprunganlage
mit Anlaufkreis' einem 25 x 20 m großen Spielfeld und
Kugelstoßanlage eingeweiht werden.
75-jähriges Jubiläum verbunden mit dem Schülerturnfest
des Markgräfler Turngaues.
In der überfüllten Turnhalle wurde am Samstag, 23.
Juni 1956 , das 75-jährige Vereinsjubiläum unter
Mitwirkung der Feuerwehrmusik und des Gesangvereins würdig
gefeiert. Vorstand Albert Wassmer durfte von den örtlichen
sowie auch von befreundeten und Nachbarvereinen Glückwünsche
und Geschenke in Empfang nehmen.
Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wurde auch das Schülerturnfest
des Markgräfler Turngaues mit 710 Teilnehmern durchgeführt.
Ehemalige Spielleute und junge, interessierte Turner taten
sich zusammen und gründeten 1960 einen zwölf Trommler
und Pfeifer umfassenden Spielmannszug.
Im März 1961 gründeten 24 Frauen eine Abteilung
für Frauengymnastik (Jedermannsturnen).
Am Sonntag, 9. Sept. 1962 organisierten Mitglieder des Turnvereins
erstmals den „Dorfsporttag“ mit volkstümlichen
Wettkämpfen, bei denen die Haagener Vereine mitmachen.
In den ersten Jahren wurde die Hälfte des Reinerlöses
an den Kinderschul-Neubaufond gespendet.
Mit der Gründung der Männerriege (Turnen für
Jedermann) am 27. Oktober erhielt der Verein einen enormen
Aufschwung.
In der Turnratssitzung vom September 1967 wurde erstmals
angeregt, unsere dünn bestückte Kasse mit einer
Altpapiersammlung aufzufrischen. Seither gehören diese
Papiersammlungen zum jährlichen Arbeitsprogramm. Ohne
den Erlös aus dem gesammelten Altpapier wären wir
heute nicht mehr in der Lage, unsere umfangreiche Vereinsarbeit
mit den derzeitigen Beiträgen zu bestreiten.
Nach einer Zeit der Stagnation im Turnbetrieb legten 1975
drei Vorstandsmitglieder ihr Amt nieder, nachdem sie sich
zuvor bemüht hatten, neue und jüngere Kräfte
für die Vereinsleitung zu gewinnen. So wurde nach achtzehnjähriger
Amtszeit mit Ernst Lebus ein neuer 1. Vorsitzender gewählt.
Nach zweiundzwanzigjähriger Tätigkeit als Oberturnwart
wurde Rolf Hofmann von Reinhard Sauer abgelöst.. Außerdem
trat mit Willi Epple ein neuer Schriftführer seine Fleißarbeit
an.
Mit der Verjüngung der Vereinsleitung wurden neue Ideen
und neue Aktivitäten in den Turnverein hineingetragen,
die vor allem dazu führten, dass Vorturner und Übungsleiter
ausgebildet wurden und der Riegenarbeit so eine neue und höhere
Qualität gegeben werden konnte. Bald begannen insbesondere
die Riegen der Schülerinnen und Schüler zu wachsen,
und sie mussten wiederholt geteilt werden.
In den folgenden Jahren wurden mit Volleyball (1976) und Jazzgymnastik
neue Sportarten angeboten, das Seniorenturnen eingeführt
und gemeinsam mit dem TV Tumringen eine Skiabteilung gegründet
(1977).
Mit dem Bau der Schloßberghalle 1980 konnten noch mehr
Sportstunden angeboten werden. Eine Volleyballmannschaft der
Herren begann mit ihren Spielen in der Bezirksklasse. Eine
neue Riege für das Geräteturnen der Buben und der
weiblichen Jugend wurde gegründet. Jazzgymnastik wurde
durch Jazztanz erweitert.
Allein im Jahr 1980 konnten 100 neue Vereinsmitglieder verzeichnet
werden. Der Mitgliederstand vor dem Jubiläumsjahr betrug
445 Mitglieder (336 Aktive, 109 Passive).
Ein Höhepunkt im Vereinsleben war das Jubiläumsjahr
1981. Vom 15. – 18. Mai feierte der ganze Ortsteil mit
dem Turnverein sein 100jähriges Bestehen. Die Badische
Zeitung berichtete:
Turnverein Haagen strahlt auf das Leben und Wirken des Dorfes
aus
Eindrucksvoller Festakt zum Auftakt der l00-Jahr-Feier - Viele
Gratulanten
Von unserem Mitarbeiter Karl Ricker
Lörrach - Haagen (ri). Ein froher festlicher Anlaß
im Kreis der gesamten Ortsgemeinschaft und vieler Turnfreunde
wurde der Festabend als Auftakt zum 100. Geburtstag des Turnvereins
Haagen In der Schloßberghalle. Vorsitzender Ernst Lebus
konnte dabei außer den Freunden aus den Nachbarschaftsvereinen
weitere Vertreter des Turngaues, Turnerbundes und aus dem kommunalen
Bereich willkommen heißen. Als Schirmherr gratulierte
Oberbürgermeister Hugenschmidt dem Geburtstagskind. Die
Festansprache hielt Arthur Martin, Wolfach, als stellvertretender
Vorsitzender des Badischen Turnerbundes. Eine große Anzahl
von Mitgliedern des TV Haagen konnte Ernst Lebus zum Abschluß
des Festabends ehren. Der Gesangverein „Eintracht Rötteln“
und die Feuerwehrmusik umrahmten das festliche Geschehen.
Bei seiner Begrüßung hieß Ernst Lebus besonders
Oberbürgermeister Hugenschmidt als Schirmherr und Helfer,
Ortsvorsteher Ernst Heitz als besonderer Förderer der Turnsache
in Haagen und Eugen Kopp, Freiburg, als prominentestes Ehrenmitglied
willkommen. Zum Jubiläum stellte er fest, daß der
TV Haagen zum 100, Geburtstag einen neuen Höhepunkt erreicht
hätte. 100 neue Mitglieder konnten zuletzt gewonnen werden.
Mit 19 Riegen hätte der Verein einen Höchststand an
Aktivität erreicht. Dank des Einsatzes vorbildlicher Idealisten
als Übungsleiter laufe ein Übungsbetrieb wie kaum
zuvor. Während dieser Ansprache standen Gruppen der Riegen
zu einem Vereinsbild auf der Bühne zum Spielmannszug des
TV Brombach.
Als Schirmherr für die Stadt und den Gemeinderat gratulierte
Oberbürgermeister Hugenschmidt dem TV Haagen. Er erinnerte
an die Bindungen des Turnvereins in die Entwicklung des ganzen
Dorfes und an. das Leben und Wirken des Vereins in die gessamte
Ortsgemeinschaft. Ortsvorsteher Ernst Heitz stellte bei seiner
Gratulation fest, daß sich die gesamte Dorfgemeinschaft
freue, dieses Fest mitfeiern zu können. Er erinnerte an
die Höhen und Tiefen im Turnverein Haagen, wo sich immer
wieder Bürger fanden, sich für die Ideale der Dorfvereine
herzugeben. Ernst Lebus und seinem Vorstand sprach er Dank und
Anerkennung für ihr Wirken zur Aufwärtsbewegung im
Turnverein aus im Interesse der Bürger und dörflichen
Gemeinschaft.
Bei seiner Festansprache hielt Arthur Martin Wolfach, als stellvertretender
Vorsitzender im Badischen Turnerbund Rückblick zur gesamten
Entwicklung der Turnsache, von den Anfängen der Jahnzeit
bis zur Neuzeit. Er sprach von Freizeithilfen, Steigerung der
Lebensqualität und Pflege der Geselligkeit in den Turnvereinen,
die als helfende Kraft in der modernen Gesellschaft nicht mehr
wegzudenken seien. Für alle guten Wünsche zum 100.
Geburtstag dankte Ernst Lebus allen Gästen.
Unter der Regie des Altvorsitzenden Karl Weiß liefen noch
einmal 100 Jahre Turnverein Haagen ab: Die Männerriege
turnte Stabübungen aus der Zeit um 1900, die Frauenriege
die Festgymnastik beim Deutschen Turnfest 1929 in Nürnberg,
Jugendturnerinnen Bodenturnen der neueren Zeit, die Jazztanzgruppe
einen modernen Tanz.
Vereine gratulierten
Reichen Beifall gab es für den Gesangverein „Eintracht
Rötteln“ unter Leitung von Hermine Leisinger sowie
die Feuerwehrmusik Haagen unter Leitung von Manfred Tröndlin
für die Umrahmung des Festaktes.
23 örtliche Vereine übermittelten durch Max Heidenreich
ihr Jubiläumsgeschenk mit einem Scheck über 2300
Mark. Für den TV Tumringen gratulierte Walter Moll, für
den TV Hauingen Dieter Lecke, für den TV Brombach Ernst
$chöchlin, für den TuS Stetten und die Altersturner-Vereinigung
Wllly Döhnel.
Pfarrer Demuth übermittelte dem TV Haagen für die
evangelische Kirchengemeinde Rötteln sowie die katholische
Pfarrgemeinde die besten Wünsche.
Dem Festakt ging ein Stehempfang voraus. Unter den Gästen
sah man auch MdB Wilhelm Jung und MdL Peter Reinelt Die gelungenen
Feierlichkeiten am ersten Festtag waren gute Voraussetzungen
für die weiteren Veranstaltungen am Wochenende, die mit
dem Jubiläumsball (siehe Bericht an anderer Stelle),
einem eindrucksvollen festlichen Gottesdienst, dem Frühschoppen
und einem Schauturnen weitere Höhepunkte brachten.
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